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Vortrag von Schwester Ursula über die Entwicklung des Frauenbilds für die Q11

Als Nachtrag zur Maria-Ward-Woche hielt Sr. Ursula am 21. März 2018 für die Schülerinnen der Q11 einen Vortrag über das Frauenbild im Neuen Testament und das erneuerte Frauenbild durch Mary Ward.

Zunächst räumte Sr. Ursula das vorherrschende Bild, Frauen hätten nichts zur Kirchengeschichte beigetragen, auf, indem sie als Beispiel die Hl. Katharina von Siena, die von Gott selbst dazu berufen wurde, den ins Exil geflüchteten Papst zurückzurufen, anführte und somit deutlich machte, dass es vor Gott egal sei, welches Geschlecht man habe.

 

 

100 Schülerinnen hörten gespannt zu, als sie vom patriarchalisch geprägten Frauenbild zur Zeiten des Neuen Testaments erfuhren, in welchem Frauen ihren Vätern oder Ehemännern untergeordnet waren und es ein triftiger Scheidungsgrund war, wenn die Frau in ihrem eigenen Zuhause zu laut sprach. Dennoch waren es Frauen, die tragende Rollen im Neuen Testament spielen. So gebar Maria den Sohn Gottes und Frauen waren es, die zuerst Zeuginnen der Auferstehung Jesu wurden, als sie das leere Grab Jesu vorfanden. So waren es auch Frauen, die einen erheblichen Teil zur Ausbreitung der jungen Kirche beitrugen. Angeführt wurde als Beispiel Lydia von Philippi, welche den Apostel Paulus bei sich Zuhause aufnahm und sich von ihm taufen ließ. Somit war sie eine der ersten in Europa, die wortwörtlich ihre Türen für das Christentum öffnete und eine christliche Gemeinde leitete. Frauen nahmen auch während der Gottesdienste das Amt der Diakonin an, was jedoch im Laufe der Jahrhunderte unterging.

Zur Erneuerung des Frauenbildes in der Kirche leistete auch Mary Ward einen erheblichen Beitrag, welche im 16./17. Jahrhunderts zu Zeiten des Humanismus im anglikanischen England lebte. Es wurde von Frauen damals erwartet, die Bibel zu lesen, sich aber darüber nicht in der Öffentlichkeit zu äußern. Mary Ward lebte zu Zeiten der Verfolgung von katholischen Christen unter dem anglikanischen England. So unterstützte sie die katholische Kirche, indem sie heimlich Seelsorge betrieb, Gottesdienste im Untergrund organisierte und Katholiken vor dem Tod rettete. Auch suchte Mary Ward das Gespräch mit anglikanischen Priestern, was für sie als Katholikin gefährlich war, da sie für ihre Arbeit vom Erzbischof von Canterbury verfolgt wurde. Daher flüchtete sie aus dem Land.

Mary Ward lebte auch zu Zeiten, in dem die Auffassung herrschte, dass Frauenorden nur eine unbedeutende Nebenerscheinung der Männerorden seien. So war man damals auch der Auffassung, Frauen seien anfälliger für Moralverlust als Männer, sodass diese von der Außenwelt isoliert werden sollten, um den Moralverfall vorzubeugen, was dazu führte, dass Frauen zu Zeiten Mary Wards nicht alleine das Haus verlassen durften und Ordensschwestern von der Außenwelt durch hohe Mauern komplett isoliert ihr Leben führen mussten. Mary Ward äußerte sich dem gegenüber sehr kritisch und führte an, Gott lasse Gnade durch Taten und nicht durch das Leben hinter Mauern zukommen. Was anfänglich Seelsorge war, führte bald dazu, dass sich Mary Ward aktiv dafür einsetzte, dass Frauen dazu im Stande seien, für ihre Seele selbst zu sorgen, und war der Auffassung, dass man nur an die Wahrheit Gottes komme, indem man Wissen erwerbe, sodass sie sich aktiv für Mädchenbildung einsetzte.

Was die Schülerinnen aus dem Vortrag mitnehmen durften, war die Erkenntnis, dass sowohl Mann als auch Frau gleichwohl Abbild Gottes sind und dass man auch oder besonders als Frau die Welt verändern kann, denn um Mary Ward zu zitieren: "Ich bin sicher, dass die ganze Welt durch uns Frauen gebessert wird."

Das Thema der Emanzipation der Frau ist aktueller denn je und der Vortrag bot einen Einblick in das christliche Frauenbild und bestärkte uns darin, dass auch Frauen im Auftrag der Kirche etwas verändern können, sodass ich mich im Namen der gesamten Q11 sehr herzlich bei Schwester Ursula bedanke.

Katrin Behnam, Q11