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Gedenkgottesdienste zum Reformationsjubiläum

Am Donnerstag, den 26. Oktober 2017, fand jeweils zeitlich gestaffelt für die Klassen G 5 – 6, G 7 – 9 und G 10 – Q 12 ein ökumenischer Gedenkgottesdienst zum Reformationsjubiläum in unserer Institutskirche statt.

An die Stelle der schon traditionell zu nennenden ökumenischen Bußgottesdienste, die immer am Dienstag vor dem Buß- und Bettag terminiert sind, haben sich in diesem Jahr die Fachschaften Katholische und Evangelische Religionslehre dazu entschlossen, einen besonderen ökumenischen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum – 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag - zu feiern:

Exemplarisch soll hier über den Gottesdienst der Klassen G 10 – Q 12 berichtet werden, der von Herrn Pfarrer Soellner und Herrn Dr. Schmelter vorbereitet worden ist.

Zu Beginn des Gottesdienstes kamen Herr Pfarrer Soellner und Herr Dr. Schmelter in ihrer Begrüßung auf den Anlass des Gottesdienstes zu sprechen: Stellvertretend für alle Menschen hat Martin Luther die Frage nach Gott formuliert, die auch uns auch heute immer noch umtreibt. Martin Luther hat viele Zugänge wieder offengelegt, die von der Kirche damals versperrt worden sind, so wurde von Pfarrer Soellner hervorgehoben.

Herr Dr. Schmelter stellte unter anderem heraus, dass Verurteilungen und Polemiken, die Jahrzehnte lange das Bild des Wittenberger Reformators verstellten, heute von der katholischen Kirche überwunden worden sind. Auf katholischer Seite hat es nämlich einen Prozess des Umdenkens gegeben: Luther zielte ja nicht die Spaltung der Kirche an, sondern wollte mit seinen Reformationsbestrebungen auf Missstände hinweisen, die die Botschaft des Evangeliums verdunkelten.

Das folgende Zitat fokussiert genau das, was die tiefste Sehnsucht Martin Luthers zum Ausdruck bringt: „Wenn du nun mit Christo eins bist, was willst Du mehr haben?“.

Dieser Gedanke ist gemeinschaftsstiftend, denn die Überzeugung, dass das Einssein mit Christus das höchste Gut des Menschen darstellt, verbindet alle Christen, unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit: Jesus Christus ist der Grund und das Ziel unseres Lebens, zu ihm sind wir alle gemeinsam unterwegs.

Herr Pfarrer Soellner sprach dann die Überlegungen Luthers an, die um Gott kreisten und sein religiöses Anliegen fokussierten: „Bin ich gut genug?“ – „Wie kann ich vor meinem Gott bestehen?“.

Schülerinnen der zehnten Klassen stellten anschließend ihre Fragen unter dem Aspekt „Bin ich gut genug – wann fragen wir heute so?“ heraus:

„Tagtäglich fragen wir uns, ob wir in den verschiedensten Bereich gut genug sind, und vergleichen uns mit anderen Menschen.“

„Dieser allgegenwärtige Vergleich mit anderen macht krank, krank vor Neid und Eifersucht. Der Druck, mit anderen mithalten zu wollen, verstört einen und zerstört letztlich die Gesundheit“.
„Auch die Schule setzt unter Druck, denn alle wollen gut, mindestens gut, möglichst sogar besser sein“.

„Schülerinnen fragen am Ende der Mittelstufe, ob sie den Anforderungen der Qualifikationsphase in der Q 11 gewachsen sein werden“.

„In der Familie wird erwartet, dass man stark und daher immer gut drauf ist, so dass man andere zum Lachen bringen kann. Aber was ist, einem gerade nicht zum Lachen und zur witzigen Unterhaltung zumute ist?“

„Es setzt mich unter Druck, meinen eigenen Erwartungen und den Erwartungen meines Umfeldes gerecht werden zu müssen. Muss ich dann nicht stärker, aufmerksamer und noch fleißiger werden?“

„Jeden Morgen stellt sich auch die Frage, ob man gut genug aussieht. Man steht vor dem Spiegel, betrachtet und befragt sich. Ich mache mir Druck, indem ich andauernd frage, wie mich die anderen finden“.

Auf diese virulenten Fragen antwortete Herr Pfarrer Soellner mit einem Zitat des bekannten Psychotherapeuten Manfred Lütz: „Dieser Selbstoptimierungswahn ist eine einzige Anleitung zum Unglücklichsein. Er passt zur allgemein herrschenden Castingmentalität, die dazu führt, sich dauernd mit anderen zu vergleichen, die nun einmal andere Fähigkeiten haben als man selbst.“
Das Lied „Meine engen Grenzen“ bildete den Abschluss dieser Einheit.

Als biblische Lesung wurde von Herrn Dr. Schmelter das von ihm bearbeitete und leicht gekürzte Gleichnis vom verlorenen Sohn, nach Lk 15, 11- 32 vorgetragen.

In seiner anschließenden Predigt stellte Herr Pfarrer Soellner heraus, gerade der ältere Sohn den Prototypen des Selbstoptimierers darstellt, den in gewisser Weise auch Martin Luther mit seinen Fragen verkörpert hat, denn Luther wollte sich gegenüber Gott beweisen und alles tun, dass er von ihm angenommen wird.

Dann überkommt ihn die Erkenntnis: Gott ist gerade nicht ein fordernder, sondern ein schenkender Gott. Da Jesus sich für Dich eingesetzt hat, mit seinem Leben und Sterben, bist Du frei. Frei davon, etwas beweisen zu müssen. Frei von der bohrenden Frage: Bin ich gut genug? Frei davon, den anderen immer gefallen zu müssen. Frei vom Druck, besser sein zu müssen als andere.

Schülerinnen der 8. Klasse haben dies in einem Bild ausgedrückt:

Wenn wir unseren Platz im Liebevollen Herzen Gottes finden, sind wir geschützt vor den zerstörerischen Fragen, die uns vermitteln wollen: „Du bist nicht gut genug!“




Glaube bedeutet letztlich das Freiwerden vom Druck.

Und das hat Folgen: Derjenige, der die Freundlichkeit Gottes erfahren hat, geht freundlich auf andere zu, „untertan in der Liebe“.

Es schlossen sich die Fürbitten an, die von Herrn Dr. Schmelter und Schülerinnen der Q 11 vorgetragen wurden. Im Fürbittgebet hieß es: „Wir feiern daher Jesus Christus und sein versöhnendes Handeln, das die Herzen der immer noch getrennten Christen dazu drängt, Diener der Versöhnung in allen Lebensbereichen zu werden und die Welt ins Gebet zu nehmen.

Es schlossen sich vier Fürbitten an, die die Welt ins Gebet nahmen, für die Einheit der Christen, für die Kraft der verbindenden Liebe, für die Menschlichkeit, die Menschenwürde sowie Menschenrechte und für den Frieden und die Versöhnung zwischen den Menschen, aber auch den Menschen und der Schöpfung.

Der Gottesdienst endete mit dem gemeinsam gebeteten Vaterunser und dem Segen.
Von vielen wurde es als ein erfreuliches Zeichen begrüßt, dass wir an unserer Schule ökumenisch Reformationsgedenken feiern können.

Pfarrer Gottfried Soellner / Dr. Jürgen Schmelter