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Simplicity, Mercy and Joy - Fünf Tage in Taizé

Samstag, 5:45 Uhr: Man blickt in die müden und gleichzeitig aufgeregten Gesichter von 35 Mädchen. Uns. Normalerweise würden wir jetzt tief und fest schlafen, doch nicht diesen Samstag. Diesen Samstag geht es nach Frankreich, besser gesagt nach Taizé. Ein kleines Dorf mit Kloster auf einem Hügel zwischen Feldern und Wiesen irgendwo im Nirgendwo. Den Erzählungen nach erwarten uns fünf entbehrungsreiche Tage…

6:00 Uhr: Der Bus ist voll und die Augen fallen langsam zu. Als wir sie wieder öffnen, sitzen wir immer noch im Bus, können die Straßenschilder aber nicht mehr lesen. Und nach einer zehnstündigen Fahrt erreichen wir endlich Taizé. Wir hatten mit kalten Hütten gerechnet, doch werden mit gemütlichen Zimmern überrascht. Auf der Erkundungstour über das Gelände treffen wir immer mehr Leute, mit denen wir sofort ins Gespräch kommen. Der Grund, warum wir das alles auf uns nehmen, wird uns von unseren neuen Bekanntschaften dann auch bestätigt: Immer samstagabends wird hier ein atemberaubender Lichter-Gottesdienst abgehalten. Ob klein oder groß, gläubig oder nicht, jeder wird von dem Lichtermeer umhüllt und von den Gesängen der Mönche verzaubert. Schon da bemerken wir, dass Taizé etwas ganz Besonderes ist!


Den größten Teil unseres Tages verbringen wir mit Leuten aus Finnland, Südkorea, der Schweiz, Österreich, Argentinien, Brasilien, Ukraine, China, Russland, Dänemark, den Niederlanden, Madagaskar, Frankreich, USA, Spanien, Katalonien, Schweden und Deutschland und tauchen in ihre Geschichten ein. Es entstehen neue Freundschaften und die Gewissheit, überall auf der Welt willkommen zu sein.

Und schließlich verbindet uns auch die Freude auf die Gottesdienste: Obwohl uns der Gedanke, dreimal am Tag in die Kirche zu gehen, anfangs gewöhnungsbedürftig vorkam, ist es eines der vielen Dinge, die wir vermissen werden. Das Besondere ist nicht nur die Atmosphäre, sondern dass die Predigten und Lieder in allen Sprachen dieser Welt gehalten und gesungen werden. In den 10 Minuten der Stille ist man ein Teil der Menge und kann doch seinen eigenen Gedanken nachhängen. Die einprägsamen Melodien und das häufige Wiederholen machen das Mitsingen leicht. Der vielstimmige Gesang der Mönche entfaltet seinen ganz eigenen Zauber.

Unser gewöhnlicher Tagesablauf besteht jedoch nicht nur aus Beten, sondern unter anderem auch aus einer Bibeleinführung. Hierbei werden Bibeltexte genauer betrachtet und analysiert. Im ersten Moment hört sich das sehr trocken an, doch die Gedankengänge, die in den kleineren Gruppen verfolgt werden, sind sehr interessant und regen uns zum Nachdenken an.

Unsere Tage vergingen unfassbar schnell, denn wir spielten bis in die Nacht hinein Karten, lernten Tänze verschiedener Kulturen kennen, sangen zusammen, gingen spazieren und ließen uns verzaubern von den Lebensgeschichten anderer. Sogar die gemeinnützige Arbeit war keine Qual!




Dienstag 22:30 Uhr: Halle 10 ist voller Leben, die Leute reden, lachen, tanzen (oder versuchen es zumindest) und spielen Karten... Doch schließlich kommt der Nachtwärter – nun ist es Zeit Abschied zu nehmen. Das bedeutet, alle laufen los, um sich zu verabschieden, sich zu umarmen, Gruppenbilder zu machen und Nummern auszutauschen, um sich an die schöne Zeit zu erinnern und sich vielleicht eines Tages wiederzusehen.



Immer noch nachts, 1:00 Uhr: Alle sind auf den Zimmern, das schwere Gepäck liegt aufgetürmt in einer Ecke und sechs Mädchen pro Zimmer reden in ihren Betten über die schöne Zeit und bedauern den bevorstehenden Abschied jetzt schon.

Svea Strassburger, Noal Rauchenecker, Johanna Obermeier und Alina Renner